WARUM FRAUEN WENIGER GRÜNDEN – EIN KOMMENTAR [GERMAN]

PANDO. Ventures
Can you Communicate? [Part II] – Body Communication: Read from People’s Faces
December 15, 2017
Pando Ventures Johanna Bernt

Warum Frauen weniger gründen. – Ein Kommentar.



Eine Vorab-Bemerkung: Viele der Punkte in diesem Artikel sprechen von „Frauen“ bzw. Gründerinnen und „Männern“ bzw. Gründern als klar abgegrenzte Gruppen, die bestimmte Eigenschaften haben. Das entspricht natürlich nicht der Wahrheit, beziehungsweise stimmt nicht mit allen Gründern beziehungsweise Gründerinnen überein. Dies ist lediglich eine grobe Richtungen, um die Problematik in der Gründer-Szene im Zusammenhang mit weiblichen Gründern deutlicher darzulegen. Zudem dient dieser Artikel als kleiner Motivationskick. Wer also nicht bereits zu den überglücklichsten Menschen zählt, sollte besser weiterlesen!


Heutzutage, in einer Zeit der immer stetig steigenden Digitalisierung, der Schnelllebigkeit aber auch der neuen, boomenden Innovationen, ist es nichts unübliches mehr ein eigenes Unternehmen zu gründen. Es ist sogar der größte Hype schlechthin.

Beim Betrachten der vielen erfolgreichen jungen Start-Ups, sei es Square, acáo, Inveox, Zalando, Spotify oder Dropbox, wird einem jedoch eines sehr bewusst: Das Gründerteam besteht ausschließlich aus Männern.

Nur acht Prozent der Start-ups werden exklusiv von Frauen gegründet belegt eine aktuelle Studie des Bundesverbands Deutsche Startups. Auch der Deutsche Startup-Monitor der Unternehmensberatung KPMG bestätigt, dass relativ wenige Frauen mit ihrer genialen Idee durchstarten und ein Startup gründen.
Aber wie kommt das? Gleichberechtigung ist fast in ganz Deutschland garantiert und zudem werden Frauen auch zunehmend gefragter in Führungspositionen. Was fehlt also zum Gründen?

Der fehlende Frauenanteil in der Gründer-Szene ist nicht auf ein konkretes Problem zurückzuführen, sondern hat seine Wurzeln in der weiten Vergangenheit und führt sein Wurzelgefecht bis in die heutige Zeit fort.

PANDO. Female Founders


Angefangen hat es mit der damaligen Rollenverteilung:
Wer kennt es nicht, die angebotene Stellenanzeige wird im Endeffekt doch eher einem männlichen Unternehmer zugetraut, als einer weiblichen, ganz unabhängig von den jeweiligen Referenzen. Auch sitzen immer noch wesentlich weniger Frauen in Führungspositionen, als die männliche Bevölkerung. Diese traditionelle Rollenverteilung, wie wir sie alle noch kennen, hat ihre Wurzeln in der weiten, aber auch näheren Vergangenheit.

Bereits in der Steinzeit war es die Aufgabe des Mannes selbständig für seine Familien zu sorgen, zu gucken, dass genug Essen auf den Tisch kommt, wichtige Entscheidungen zu treffen und seine Familie zu leiten, sie anzuführen. Die Frau war für die Erziehung und die „Bemutterung“ der Kinder zuständig und stand rangmäßig klar unter dem Mann.

Eine eigene Meinung kannte die Frau in der damaligen Zeit nicht und hatte somit auch nie die Chance ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein aufzubauen. Diese Problematik zieht sich bis in die heutige Zeit, in der noch immer nicht in jedem Ort der Welt Gleichberechtigung herrscht. Frauen bekommen, auch im 21sten Jahrhundert noch, schlechtere Jobpositionen, eine weitaus geringere Bezahlung und auch weniger Verantwortung zugeschrieben. Das führt zu der Gefahr hin, dass Frauen sich oft nicht gut genug für gewisse Aufgaben beziehungsweise auch Herausforderungen fühlen. Ich denke die Damen unter den Lesern nicken gerade mit dem Kopf und müssen insgeheim zugeben, dass es immer heißer wird. Habe ich recht? Frauen durften jahrhundertelang nicht offen ihre Meinung äußern, geschweige denn eine Gruppe anführen. Warum sollte sich das also so schnell ändern, jetzt wo sie die Chance hätten?


Das führt zu dem zweiten Problem der meisten Gründerinnen:
Das fehlende Selbstbewusstsein, die Risikobereitschaft und der Mut. Wo Männer einfach drauf los gehen und es sich selber erlauben „außerhalb der Box zu denken“, sind Frauen zu sehr in ihren Zwängen gefangen und haben oftmals Angst ihren Ideen freien Lauf zu lassen und mal „crazy zu gehen“. Das Bewahren des Gesichts ist für viele Frauen von größerer Bedeutung als für Männer. Den männlichen Gründern ist es egal, wenn sie auf Gegenwind stoßen, das mindert nicht ihr Selbstwertgefühl beziehungsweise Selbstbewusstsein, ganz im Gegenteil, es spornt sie noch weiter an auch den skeptischen Teil der Zuhörer mit ihrer/m Idee/Konzept/etc. zu flashen. Ganz anders jedoch die Frau. Frauen lassen sich um einiges schneller einschüchtern und lassen sich, fälschlicherweise, von den Zuhörern überzeugen, dass ihre innovative Idee viellleicht doch nicht so gut ist. Merkt ihr den Unterschied?

Aber warum lassen wir Frauen uns so einschüchtern und klein machen? Wir haben die gleichen Abilities wie die Männer und können zudem mit unserem fraulichen Charme überaus punkten. Lasst uns also nicht hinter der Dominanz der Gründer verstecken oder abschrecken lassen, sondern es als eine einmalige Chance sehen, einen vorhandenen Need zu decken!


Nicht zu verleugnen ist die Tatsache, dass Frauen seltener und auch weniger Kapital von Investoren bekommen.
Zwar sind die eigenen Ersparnisse für Gründer wie Gründerinnen die wichtigste Geldquelle, doch dieses Geld trägt meist nur über die Anfangsphase. Sobald ein Start-up wachsen soll, braucht es das Kapital risikofreudiger Investoren, die es sich leisten können, auch mal einen Batzen Geld in den Sand zu setzen, wenn dafür ein anderer Teil ihrer Mittel großen Erfolg hat. Das können vermögende Privatpersonen sein oder auch institutionelle Wagniskapitalgeber. Diese Kapitalgeber sind zumeist Männer. Nur wenige Frauen arbeiten in diesem Bereich oder befinden sich in einer solchen Position. 
Und genau hier fangen die Unterschiede an: Gründerinnen bekommen von diesen Finanziers seltener und weniger Kapital.

Das kann natürlich auch daran liegen, dass Gründerinnen weniger kapitalintensive Projekte starten. Wissenschaftliche Studien (unter anderem das Vodafone-Institut) legen jedoch nahe, dass es einen anderen Grund haben dürfte: Investoren sind geneigt, eher Geschäftsideen von Männern zu finanzieren als identische Projekte von Frauen. Das muss nicht einmal Absicht sein, sondern kann schlicht und einfach daran liegen, dass Investoren sich in männlichen Gründern eher selbst wiedererkennen.


Innovationen von Gründerinnen decken meist konträre Themengebiete, als die der Gründer, ab.
Für was interessieren wir Frauen uns? - eher weniger für Cryptocurrencies, Fintech oder sonstige technische Angelegenheiten. Innendesign, Fashion, Schönheitsprodukte wie Pflegeartikel, Kosmetik, etc. sprechen uns da schon mehr an. - Mich auf jeden Fall.
In diese Themengebiete kann sich eine Frau perfekt hineindenken, da sie jeden Tag mit solchen Produkten in Kontakt kommt. (Jeder kennt die insgeheime Addiction) Sie bleibt daher lieber in ihren „gewohnten Gefilden“, als in ein eher unbekanntes und ungewohntes Territorium, wie den Tech-Bereich, einzudringen.
Ganz anders jedoch der Mann. Für die meisten Männer haben Kosmetikartikel oder Designartikel, sei es im Haushalt oder in der Mode, eine zweitrangige Bedeutung.
Beim Pitchen jedoch, besteht die Mehrzahl der Crowd aus Männern, da die Szene, wie bereits erörtert, überwiegend aus Gründern und männlichen Investoren besteht. Wie kann man also auch die Männer von abgefahrenen Innovationen rund um die Beauty-Branche überzeugen?


Leider präsentieren die Gründerinnen ihre Innovationen oftmals weniger genial, als sie tatsächlich sind.
Männer sind bis ins letzte Detail von ihrer Idee überzeugt, häufig in manchen Bereichen auch eher unbegründet. Jedoch können sie dadurch ihre Idee als etwas Fantastisches, Unglaubliches und Einzigartiges darstellen und auch verkaufen. Es ist ihr phantastisches und brillantes Baby und genau so kommt es auch rüber! Das bietet den Gründern einen weiteren, sehr gravierenden Vorteil gegenüber den Damen in der Gründerszene: Das überragende Selbstbild erfolgreich, motivierend und inspirierend zu verkaufen und ihre Innovationsidee gleich mit!
Aber liebe Damen, das können wir noch auch?! Das wäre doch gelacht! Wir müssen es einfach machen! MACHEN, MACHEN, MACHEN, MACHEN und das wichtigste: an uns selber glauben! Wir sind erstklassig, herausragend, kreativ, zukunftsgerichtet und einfach nur affengeil! Etwas übertrieben? - Aber ganz genau so, muss es bei der Menge ankommen!

Um also nochmal auf unsere Anfangsfrage zurückzukommen, warum Frauen weniger gründen beziehungsweise was sie vom Gründen abhält, ist anzubringen, dass es nicht ausschließlich einen verantwortlichen Grund gibt, sondern es ein Gespann aus mehreren, ineinander übergehenden Punkten ist. Klar ist jedoch, dass Frauen immer gefragter sind, es nun jedoch an ihnen selber liegt ihr Selbstbewusstsein und Auftreten zu verbessern. Nur so kann sich die männlich dominierte Gründerwelt langsam neutralisieren und auch den ideengetriebenen Frauen Platz darin bieten.

Wir Frauen können selbstbewusst sein, unsere Meinung mit Fakten und unserer Passion vertreten und innovative Ideen in die Welt setzten! Wir müssen anfangen an uns zu glauben und diese Überzeugung dann auf andere zu übertragen beziehungsweise andere damit zu inspirieren. Angst ist nichts fatales, sie sollte uns jedoch nicht vom Handeln und Umsetzten abhalten, sondern als Hilfe dienen, nicht zu euphorisch und blind auf sein Konzept zu blicken! Lasst uns zusammen selbstbewusst sein und zu uns sowie unseren Ideen stehen und an sie glauben!

1 Comment

  1. Khanh Linh says:

    Hey Johanna,

    starker und leider überwiegend wahrer Post! Das habe ich in meinem Umfeld auch sehr stark bemerkt – es ist unglaublich schade, wie viele Frauen, die Talent haben oder die nötige Passion für ihre Idee und Vision, aber sich nicht trauen, diese mit Überzeugung zu vertreten, weil die o.g. Risikobereitschaft, Selbstbewusstsein und Mut fehlen. Die Angst, sich zu entblößen und zu scheitern ist extrem hoch. Dabei geht es im Leben beim “Ich-Selbst-Sein” und “Das-Beste-Aus-Sich-Selbst-Holen” doch darum: Authentizität. Die Herausforderung liegt nun darin, die “Wish-to-Be-Gründerinnen” zu “Going-to-Be-Gründerinnen” zu motivieren – durch Impulse geben, durch Motivation, damit das richtige Mindset aufgebaut werden kann und danach natürlich ganz wichtig: tatkräftige Maßnahmen.

    Klar, die Gründerinnen haben den Nachteil, dass die Mehrheit der Investoren Männer sind und daher seltener oder weniger Kapital bekommen. Dennoch sollte es sie nicht entmutigen. Vielleicht überzeugt man nicht beim 1. Pitch. Vielleicht auch nicht beim 2. Zu jedem Erfolg gehören auch Misserfolge. Key ist einfach, dass man dieses Misserfolg als Chance ansieht, um sich weiterzuentwickeln, am Ball zu bleiben und zu verwirklichen – schließlich ist eine Vision, die von Leidenschaft getrieben wird, es auch wert, nicht wahr?

    Finde es super, dass du mit dem Beitrag Denkanstöße nach außen bringst. Keep it up!

    Cheers, Linh

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